Zissimissi's Blog

Franzi takes Hungary

1. Beitrag 27/11/2009

Einsortiert unter: Nachrichten aus aller Welt — zissimissi @ 21:35

Kneißl – Reisefuehrer

Budapest

1. Hintergrund:

Budapest ist seit 1873 die Hauptstadt Ungarns und wird durch die Donau in zwei Stadtteile geteilt: Das etwas reichere und sichere Buda und das großstadttypische Pest. Budapest wird des weiteren in 23 Bezirke gegliedert. Die Stadt ist gepraegt durch 130 Thermal- und Heilquellen, Europas groeßtes Parlamentsgebaeude und die zweit aelteste U-Bahn des Kontinents.

Budapest zaehlt heute rund 1,6 Millionen Einwohner bei einer Dichte von circa 3600 Einwohner pro Kilometer. Die ungarischen Juden, deren Deportation 1944 die letzte große Maßnahme des Holocaust gewesen ist, bilden in Budapest mit derzeit 80.000 Menschen die groeßte juedische Gemeinde in ganz Osteuropa. Als zahlenmaeßig staerkste ethnische Minderheit treten die Sinti und Roma hervor. Die zweitgroeßte Minderheit sind Angehoerige des ungarndeutschen Kulturkreises (87.000 Bürger/innen).

An den Hochschulen und Universitaeten sind etwa 100.000 Studenten eingeschrieben, doppelt so viele wie vor zehn Jahren. An der Evangelisch-Lutherischen Theologischen Universitaet im Pester Stadtteil sind es um die 200 Studenten. Die Universitaet in ihrem jetzigen Rechtsstatus als staatlich anerkannte nichtstaatliche Universitaet existiert erst seit 1998. Sie ist das geistige Erbe der 1557 gegruendeten Lateinschule zu Oedenburg / Sopron, des aus ihr entstandenen Theologischen Institutes und der 1982 selbststaendig gewordenen Evangelisch-Lutherischen Fakultaet der Koeniglichen Ungarischen Elisabeth-Universitaet der Wissenschaften und der 1951 entstandenen Evangelisch-Lutherischen Theologischen Akademie. Sie ist der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn verpflichtet und ist die einzige Ausbildungsstaette auf Unversitaetsebene fuer lutherische Pfarrer und Religionslehrer.

Mit etwa 65% bilden die roemisch-katholischen Budapester die traditionelle Mehrheit. Rund ein Viertel der Bevoelkerung Budapests sind Protestanten, die ueberwiegende Mehrheit davon Anhaenger der Reformierten Kirche. Den Rest bilden andere religioese Gruppierungen, insbesondere Orthodoxe, Baptisten und Juden.

2. Praktische Informationen:

Die Anreise kann mit dem Auto mit einer Route über Wien erfolgen. Die Fahrtzeit dauert mit kuerzeren Kaffeestops und Besuchen bei McDonalds ungefaehr neun Stunden, falls Sie einen tollen Freund mit einem tollen Auto haben. Budapest selbst stellt die einzige Herausforderung dar, aber auch nur dann, wenn Sie das Navi auf Fußgaenger einstellt haben. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie innerhalb Ihrer ersten zehn Minuten am Zielort erfahren, dass Sie in gut 12 Stunden bereits wieder abreisen muessen!

Grund dafuer ist die etwas andere Art von Auskunft. Bei der wochenlangen schriftlichen Vorbereitung Ihres Aufenthaltes in Budapest kann Ihnen ein Wochenendaufenthalt in einer lutherischen Jugendherberge auf dem Land schon einmal vorenthalten werden! Da heißt es dann also schnell fuenf Kartons und zig Taschen auspacken, um fuers Wochenende zu packen. Natuerlich muessen Sie sich selbst um die Anreise kuemmern. Aber wenn Sie Glueck haben, dann treffen Sie eine finnische Austauschstudentin namens Henrika, die Sie einfach mitschleift bei ihrer Reisegruppe. Allgemein muessen Sie immer mehrmals nachfragen, wenn Sie eine Auskunft erhalten. Die Ungarn meinen es nicht unhoefflich oder wollen Ihnen Probleme bereiten. Aber in Ungarn geht eben alles etwas langsamer voran. Lassen Sie also nicht locker, wenn Sie den Hausmeister, einen Internetzugang oder eine Immatirkulationsbescheinigung brauchen.

Die Mentalitaet der Ungarn ist also eher gemuetlich. Dinge scheinen sie nur zu erledigen, wenn ihnen Druck gemacht wird oder wenn sie ihnen Spaß bereiten. Puenktlichkeit zaehlt deshalb auch nicht zu den Staerken des Ungarns. Es gibt immer die obligatorischen ungarischen zehn Minuten, die man als Verspaetung mit einberechnen sollte. Auch Baumaßnahmen sind von dieser Einstellung beeinflusst, da kann es schon vor kommen, dass die selbe Baustelle, die Sie bei einer Stickvisite Anfang Mai gesehen haben, im September immer noch unveraendert ausieht.

Ausgehen kann man in Budapest ausgezeichnet. Coffeeshops, Subways, kleine alternative Cafés oder Fastfood Italiener sind an jeder Straßenecke zu finden. Aber auch antike Kaffeehaeuser, Diskotheken, Asiaten und Kneipen werden in naher Zukunft auf der Liste stehen. Besonders zu empfehlen sind private Dachpartys in Buda, denn dort auf dem Huegel hat man eine sensationelle Aussicht auf die Burg, das Theater, die Donau und auf das Lichtermeer der naechtlichen Stadt.

Elektritzitaet und Internet sind an sich keine Probleme in einer Metropole wie Budapest. Nur die Evangelisch-Lutherische Theologische Universitaet bereitet Ihnen Probleme bei der Internetbenutzung. Es gibt nur in einem kleinen Computerraum Internetzugang, wo jedoch keine Downloads moeglich sind. Denn die Leitung hat Angst, dass sich ihre Studenten bei WLAN-Nutzung nicht mehr auf das Studieren konzentrieren wuerden und vielleicht sogar illegale Daten ueber das hochschulinterne Netz laden koennten. Aus Sicherheitsgruenden kann man die PCs deshalb auch nur mit einem von der Verwaltung zugeteilten Account nutzen. Bedenken Sie, dass die ungarische Tastatur der ungarischen Sprache angepasst ist. Aendern Sie also Ihre Passwoerter mit Umlauten wie „ae“ vor Ihrer Reise, damit Sie sie auch in Budapest nutzen koennen!

Der Wohnstandart ist in Budapest aehnlich wie zum Beispiel in Neuendettelsau. Die Zimmer sind mittelgroß, frisch renoviert und sauber, falls man sie selbst regelmaeßig putzt. Nur mit dem Stauraum scheinen die Ungarn etwas knauserig zu sein. Die Zimmer haben bei Auslaendern auch immer ein kleines Bad mit WC und Dusche. Besonders ist bei Auslaendern auch, dass sie sich diese Zimmer, die fuer ihre Ansprueche meist gerade ausreichend sind, nicht mit einem Zimmergenossen teilen muessen, wie es bei den Ungarn ueblich ist. Zum Kochen gibt es auf jedem Stockwerk eine Gemeinschaftskueche, die eher an ein Kabuff erinnert. Dieser Aspekt und der verheerende Zustand des Backofens und der Arbeitsflaeche (Nichts im Vergleich zum Andersen-Haus!!!) vermitteln eine ungemuetliche Atmosphaere.

3. Land und Leute:

Wie bereits schon erwaehnt sind die Ungarn ein gemuetliches Volk. Sie lassen alles ruhig angehen und genießen was sie tun. Sie sind meist entspannt, stets freundlich und hilfsbereit. Als Deutsche/r kommen Sie in Ungarn mit ihrer Muttersprache oder Englisch sehr weit. Und kein Ungar wird es Ihnen veruebeln, dass Sie seine Sprache nicht sprechen. Sie werden ueberall mit offenen Armen empfangen, da sich die Ungarn über Fremde, die sich fuer ihr Heimatland interessieren, wie kleine Kinder freuen. Ungarn haben ein instinktives Verlangen danach, Ihnen es so bequem und heimisch wie moeglich zu machen. Vor allem Mensadamen werden sich jeden Tag danach erkunden, ob Ihnen das Essen schmeckt, werden Ihnen eine extragroße Portion geben und Ihnen dabei ihr schoenstes Laecheln schenken.

Die Esskultur ist aus deutscher Sicht angeblich typisch osteuropaeisch. Fest steht jedenfalls, dass das Essen in einer Mensa bodenstaendig ist und immer anders ausschaut, als es schmeckt. Meist sieht es unappetitlich und beinahe graeulich aus, schmeckt aber hervorragend. In den seltensten Faellen ist es andersherum. Das Vorurteil, dass in jeder Speise Paprika zu finden ist, scheint mit Ausnahme der Sueßspeisen wahr zu sein.

4. Studieren:

Wenn Sie als Austauschstudent an eine Universitaet in Budapest gehen, werden Sie von hinten bis vorne umsorgt, auch wenn es ab und zu vorkommen wird, dass Ihnen Wochenendausfluege und dergleichen versehentlich nicht mitgeteilt werden. Sie werden feststellen, dass waehrend Ihres Besuches ploetzlich englische Vorlesungen wie an Baeumen wachsen, was sonst eher der Ausnahmefall ist. In die Studierendenschaft werden Sie problemlos aufgenommen. So schnell koennen Sie gar nicht schauen, da sind Sie in einer Vorbereitungsgruppe fuer Morgenandachten, singen in  verschiedenen Choeren, bereiten mit einer Jugendgruppe einen Gottesdienst in der groeßten lutherischen Gemeinde vor, sind in mehr Vorlesungen als Sie wollten („Oh, wir haben noch eine englischsprachige Vorlesung fuer dich organisiert!“) und lernen Gitarre. Falls Sie also den Vorsatz habe, es in ihrem Auslandssemester sehr viel ruhiger angehen zu lassen als zuvor, dann lassen Sie ihn zu Hause, mit 15 Wochenstunden koennen Sie rechnen.

 

Ich bin total gerne in Ungarn und bin sehr, sehr froh mich dafuer entschieden zu haben. Staendig werde ich aufs neue ueberrascht, denn manchmal ist es hier genauso wie zu Hause und in der naechsten Sekunde ist alles neu und fremd. Da freut es mich um so mehr, dass ich schon viele neue Freunde habe, mit denen ich auf Entdeckungsreise gehen kann. Wer Lust hat kann ja mal auf zissimissi.wordpress.com schauen!

Liebe Grueße in meine Heimat, Franzi

 

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